Meine Motivation

Mangel muss der Mensch leiden.
In mir ist eine Unordnung entstanden, die jede Ordnung, die ich auferrichte, in sich aufnimmt. Ich wollte mich isolieren, für mich sein und allein kämpfen, der Schatten Herr werden und stolz und gestärkt zurück ins Licht treten. Tatsächlich aber beobachte ich eine Verödung, wüst liegt mein Leben darnieder. Mehr und mehr hatte ich, der ich einst ein Dichter werden musste, das Gefühl verloren, etwas sagen zu wollen. Wenn ich aber nichts mehr zu sagen habe, was tue ich dann noch unter den Menschen? Die jungen Leute machen sich auf den Weg, hoffnungsleicht und so scheinbar mühelos. Ich aber habe den Januskopf entwickelt, den zweiten Blick, den Blick nach hinten. Und wenn Julio Cortázar oder vielmehr Oliveira in Rayuela meint, mit 40 setze dieser bedauernswerte Zustand ein, so erwarte ich eine weitere Abnahme der Hoffnung auf ein gutes Morgen hin. Ohne ein Wunder wird sich mein Leben auf gewohnten Gleisen dem wohlbekannten Ende entgegenschieben. Bedauerte ich aber nicht vor kaum zehn Jahren jene armen Gestalten, die sich nach ihren Jugendjahren nie wieder veränderten? Die mit 40, 50 Jahren begannen, ihr Leben in Frage zu stellen und sich dann, um nur ja nichts ändern zu müssen, das sprichwörtliche Bonzenobjekt kaufen müssen, in der müden Hoffnung, dieses Artefakt der totalen Dekadenz würde sie über die trostlose Langeweile hinwegretten, die ihr Leben geworden war? Bedauerte ich sie nicht viel weniger, als dass ich sie offen verachtete, selbstsicher und entschlossen und voller Gewalt über mein Leben und gegen ihre Schwäche? Und dann taumelst du zunehmend tragischer von Verirrung zu Verirrung, dein Weg ist die road less taken, aber nur, weil die Mehrheit nicht so kläglich scheitert. Wenn du wenigstens heroisch wärst, den Alkohol dich und deine Leber und was von deiner Seele übrig ist zerstören lassen würdest, wie Werner Bräunig, mit dem ich zu gerne einmal geredet hätte. Aber er würde mich verachten, und das mit Recht. Vielleicht würde Carson McCullers mich nicht verachten. Beachten würde sie mich jedoch ebensowenig.
Ich schreib nicht gern für die schnelle Anerkennung; ich meine, ich tat es und tue es vielleicht immer noch, ich weiß nicht. Aber ich verachte diese Geschwindigkeit. Man schreibt nurmehr für den schnellen Kick, gib mir Anerkennung, Anerkennung, Anerkennung, aber was ich eigentlich will ist Liebe. Nichts weiter.
Wir sprechen mit Menschen und wir antworten ihnen auf Fragen, die wir erst Tage später als schmerzhaft empfinden und dann wünschen wir uns zurück und würden gerne um Hilfe schreien, unser Gegenüber anflehen, es möge einen Weg finden. Oder halt auch nicht, weil wir nicht so naiv sind, vom Gegenüber Hilfe oder gar Rettung zu erwarten, geschweige denn zu fordern. Und wenn wir doch einmal von uns sprechen, dann, dann… Dann sind wir uns der Unzulänglichkeit unserer Schilderung bewusst, niemand wird je den Weg zu unseren Herzen finden, wir sind Solitäre, einsam an einsam an einsam.
Was ich eigentlich will, sind Rauschzustände.
Was ich mit Macht fliehe, sind ebenjene. Falls mit Macht fliehen den Zustand trifft, in dem ich mich befinde: Kaugummi am Boden, ich klammere mich am Abgrund fest, innig geliebter Bordstein.
Ich laufe niemandem nach. Dieses eine Mal schreibe ich, wonach mir ist. Ein Skizzenbuch vielleicht, Portraits meiner selbst.

Wovon ich alles gerne Ahnung hätte. Und wovon ich Ahnung habe, aber nie genug, um den Abgrund zu überbrücken. Das eine ist die Anerkennung der Leichtgläubigen. Das andere die Anerkennung der Ahnungsvolleren, mich eingeschlossen. Es geht mir um mich.
Sicherlich von meinem Innenleben, von meinen Versuchen, Persisch zu lernen und in der Lage zu sein, Gedichte und Prosa zu lesen und zu übersetzen, von allem, was mich umtreibt und meinen inneren Zensor zu täuschen vermag. Wie oft ich schreibe und denke und schreiben will, aber es nicht vermag. Wenn Hoffnung eine Flamme ist, mag ich ihr Sauerstoff zuführen.
Was auch immer, was auch immer.

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