Ich lerne Persisch

Aus Gründen habe ich die Sprache nie so gelernt, dass ich mit ihr irgendetwas bewerkstelligen könnte. Ich kann keine Bücher lesen, mich nicht unterhalten, kein Radio verstehen, eigentlich kann ich gar nichts. Und dafür viel zu viel.

Advertisements

Vor etwa sieben Jahren lernte ich meine ersten Wörter auf Persisch, die Wörter für „Tür“, „Fenster“, „geöffnet“, „geschlossen“, sowie „ist“. Daraus konnte man dann bereits einfache Sätze formen, die wortwörtlich „Tür geschlossen ist“ oder „Fenster geöffnet ist“ lauteten.
Ich lernte das Alphabet, ein paar grammatikalische Strukturen…
Aus Gründen habe ich die Sprache nie so gelernt, dass ich mit ihr irgendetwas bewerkstelligen könnte. Ich kann keine Bücher lesen, mich nicht unterhalten, kein Radio verstehen, eigentlich kann ich gar nichts. Und dafür viel zu viel. Es ist eine überaus frustrierende Erfahrung, viel in eine Sache zu investieren, Zeit, Mühe, auch Liebe, und alles was man zuletzt davon hat, ist ein übergroßer Stachel in deinem Stolz.
Ich dachte immer, kein sonderlich disziplinierter Mensch zu sein, jemand, der für eine Sache entflammen kann, dann aber nach wenigen Wochen mit ihr aufhört; vielleicht einer Lappalie wegen, vielleicht, weil der Zauber verflogen war. Vor einem Jahr aber bekam ich es immerhin hin, drei Monate lang regelmäßig (dreimal die Woche) laufen zu gehen, ich verbesserte meine Laufleistung von quasi null auf etwa zehn Kilometer pro Lauf. Danach hörte ich leider auf. Von Januar bis September lernte, übte und spielte ich beinahe unentwegt Schach. Zu Beginn wusste ich wie sich die Figuren bewegen, seither hat sich mein Spiel enorm verbessert.
Im September aber hörte ich dann auf zu spielen. Eine Sinnkrise trat ein, ich musste mich fragen, was ich wirklich wollte, wofür der enorme Aufwand lohnt. Gut, die Antwort ist nun auch keine Überraschung mehr.
Ich habe einige sehr brauchbare Bücher, die ich jedem ans Herz legen möchte, der sich vorstellen könnte, Persisch zu erlernen. Mein allererstes Persisch-Lehrwerk (das ich bis heute nicht durchgearbeitet habe, nur immer wieder bis etwa zu der Stelle, wo das letzte Drittel des Buches beginnt) heißt schlicht „Sprachkurs Persisch“ und ist von Behzad und Divshali. Ich bin nicht eigentlich auf dem neuesten Stand, was die Lehrbücher angeht, habe aber kein besseres deutschsprachiges gefunden. Ein Buch, dass es vor sieben Jahren leider noch nicht gab, ist der „Grundwortschatz Persisch“ von Sanati aus dem Buske-Verlag. Ich werde die Bücher hier nicht besprechen, gehe aber gerne auf Nachfragen ein. Dieses Buch jedoch will ich wirklich jedem ganz besonders ans Herz legen; zu jeder neuen Vokabel, thematisch angeordnet, gibt es einen Beispielsatz, alles in beiden Sprachen plus latinisierte Version des Persischen. Das Buch ist nicht perfekt, aber nah dran. Es gibt mittlerweile von Pons ein Bilderwörterbuch für Persisch, aber das muss man nicht wirklich haben. Das kleine Wörterbuch von Langenscheidt muss man auch nicht wirklich haben. Wirklich brauchbar, aber teuer und unpraktisch ist beispielsweise das Wörterbuch Persisch-Deutsch (nur in diese Richtung) von Junker und Alavi aus dem Harrassowitz-Verlag.
Wer des Englischen so einigermaßen mächtig ist, dem empfehle ich, was persische Sprachbücher angeht, nachdrücklich Routledge (wer noch andere tolle Verlage kennt, bitte melden), hier insbesondere das Buch „Basic Persian“ von Yousef und Torabi. An und für sich ist das lediglich eine Grammatik, aber eine wirklich praktische. Man könnte fast damit allein Persisch lernen; der Aufbau ist sehr logisch, vom Einfachen zum Schweren, es gibt Übungen, die dich aktiv werden lassen, absolut großartig. Dafür gibt es Pendants zu anderen Sprachen, ich habe allerdings das für Arabisch probiert und war entsetzt. Hier also Vorsicht, wer sich auf die Internetpräsenz des Verlages begibt. Meine Erkenntnisse sind konkret, sie lassen sich nicht problemlos übertragen.
Darauf aufbauend gibt es das Buch „Intermediate Persian“, das ich allerdings noch nicht bearbeitet habe. Ebenfalls interessant ist das Buch „The Routledge Introductory Persian Course“ (darauf aufbauend das gleiche mit Intermediate) von Brookshaw und Jadidi. Hierfür empfehle ich bereits gewisse Persischkenntnisse, dann aber eröffnet das Buch neue Horizonte. Lehrbücher, die für den universitären Gebrauch, nicht aber für den Selbstlerner entworfen wurden, sind immer eine gewisse Herausforderung. Da ich dieses Buch selbst nur einmal bis ich glaube zum zweiten Kapitel durchging, komme ich sicher noch einmal in zukünftigen Beiträgen darauf zurück.
Zurückkommend auf meine drei- und neunmonatigen Erfolgsgeschichten (zumindest solange sie währten), wünsche ich mir genau so etwas für meine Bemühungen, Persisch zu lernen. Um substantiellen Fortschritt zu machen, muss man Zeit investieren, und das regelmäßig. Ich beschließe also hiermit vorerst bis zum Ende des Monats täglich zwei Stunden Persisch zu lernen, um zu sehen, wohin es mich trägt. Konkret habe ich zwei Motivationen: Ich mag das erwähnte Grammatikbuch durcharbeiten. Und ich mag den Grundwortschatz durcharbeiten. Das sind beides keine Meilensteine, die ich in zwei, drei Wochen erreichen könnte, aber mit je einer Stunde Arbeit pro Tag werden sie vom Gefühl her vielleicht überhaupt erreichbar, und ist das nicht schon viel? Mein Fokus liegt dabei erst einmal auf Verständis. Das ist wahrscheinlich kritikwürdig…
Oh, ach ja: Das Laufen begann ich einfach. Schach ebenfalls. Eigentlich, also ganz eigentlich, ist also alles sehr einfach: Beginnen und nicht wieder aufhören.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s